Ein Projekt, eine Vision gemeinsam auf den Boden bringen

Das Jonathan.

Mich beschäftigt in den letzten Wochen sehr viel die Frage, was es bedeutet, mit einer Gruppe von Menschen ein Projekt für alle Beteiligten Freude bringend und erfüllend, gleichzeitig aber auch wirtschaftlich tragfähig und erfolgreich umzusetzen. Motiviert letztlich aus der für mich schon sehr leidvollen Erfahrung, dass das hier eben kein gemeinsam gehaltenes Projekt ist, sondern auf den Schultern sehr Weniger, besonders Einsatzwilliger ruht, die im Zweifel da sind, wenn es brennt oder auffangen, bevor etwas auf den Boden fällt.

Fragen/Themen, die in diesem Zusammenhang auftauchen:

  • Wie kann es gelingen, dass Menschen eine gemeinsame Vision teilen und leben?
  • Wie drückt sich gelebte Vision aus in Projekten, Aktivitäten, im Lernen - im Vergleich zu einem „So-vor-Sich-Hin-Leben“, im Vergleich auch zum in dieser Gesellschaft gängigen Modell „Ein-Elon-Musk-Visionär-Vordenker-hat-eine-Vision“ und „kauft-sich-Humankapital-das-die-Vision-umsetzt“?
  • Was bedeutet das, eine Vision auf den Boden bringen? Welches Engagement ist nötig? Wie tief muss das gehen? Welchen Verpflichtungsgrad hat das für jeden Einzelnen? Welche Dringlichkeit im Leben?
  • Geht es um einen Job, eine (Lebens-)Aufgabe, eine Berufung - für alle Beteiligten oder nur für die „Köpfe“? Wie geht man darüber in Austausch?
  • Wie gewinnt man Mitwirker, die eine Vision wirklich teilen? Dafür gehen, sich einbringen? Woran merkt man das? Wie erkennt man sie?
  • Wie verständigt man sich über den Grad des Einbringens? Was ist der Einzelne bereit zu geben? Wie ist der Output zu verteilen? Wie sehr muss das im Vordergrund stehen (der Output)?
  • Wie wird mit dem unterschiedlichen Grad des Sich-Einbringens umgegangen? Sind unterschiedliche Mengen an Geld und Macht wirklich die einzigen Mittel des Ausgleichs für unterschiedliches Engagement?

Es ist ein wahrlich bunter Strauß an (Lebens-)Situationen und -welten, an Hintergründen, Vorstellungen, Voraussetzungen; Bedürfnissen und Neurosen, der da zusammenkommt im Jonathan.

 

Was vereint uns alle?

Was ist der kleinste gemeinsame Nenner? Wir alle versprechen uns etwas für uns daraus, dass wir hier in irgendeiner Form mittun. Wissen wir voneinander, was das jeweils ist? So la la! Bei vielen ist es wohl Geld verdienen zum Lebensunterhalt unter Einsatz meiner Kompetenz mit möglichst wenig Aufwand, möglicherweise, oder mit einer Tätigkeit, die mir (vielleicht manchmal) Spaß macht. Für wen von uns spielt die Vision des Jonathan eine Rolle? Für wen hat sie wirklich eine Dringlichkeit? Ist sie Auftrag/Berufung?

In wessen Leben spielt überhaupt Berufung eine Rolle? Wer kennt die seine, verfolgt sie konsequent? Und hat diese persönliche Berufung mit der Vision des Jonathan zu tun? Und was bin ich bereit dafür zu geben? Ja geben, nicht nehmen!!

Und jetzt kommt‘s Dicke: Haben meine Allergien, Thrombosen, sonstigen Wehwehchen, meine Müdigkeit, mein Jammern, mein Suchen nach Ablenkung vielleicht damit zu tun, dass ich meine Berufung immer noch nicht kenne, geschweige denn lebe - oder in den Worten des Kurs in Wundern, dem falschen Lehrer folge - nämlich dem Ego, statt dem heiligen Geist?

Bei wie vielen von uns spielt der Gedanke: „Ich möchte, dass dieses Projekt hier gelingt, richtig gut wird“, eine Rolle?

Oder steht doch eher im Vordergrund: Wann habe ich frei? Wann bekomme ich Urlaub? Ich will mehr Geld? Ich will heute unbedingt noch an den See? Wann sehe ich XY endlich wieder?

Oder bin ich vielleicht nur hier, weil mir sonst nichts mit mir einfällt, oder weil ich nicht allein sein will? Und bin ich ehrlich damit - zunächst mal zu mir selbst?

Mit diesen Fragen sollten wir, die wir schon hier dabei sind und die, die dazukommen, uns immer wieder aktualisiert befassen:

  • Warum bin ich gerade hier im Jonathan und nicht woanders, beim Tagungshotel XY, in der Gemeinschaft YZ,…?
  • Was hat mich hergetrieben? In dieser Phase meines Lebens.
  • Was lässt mich verweilen?
  • Welche Schritte auf meinem Erden-Wirk-Weg kann ich hier gehen?
  • Bin ich auf Grund des Beitrags, den ich leiste, in der Position, von diesem Projekt zu fordern oder gibt es mir am Ende sogar mehr, als ich einbringe? Sollte ich mich am Ende also vielleicht sogar eher bedanken für Dinge, Möglichkeiten, Gelegenheiten, die es mir gibt? Ist da ein Dank, dass mich das Leben hier her geführt hat? Was folgt daraus?

Und das zu sehen und zu bewerten, den Anderen damit zu konfrontieren „Du, das geht aber besser, hier stimmt der Ausgleich von Geben und Nehmen aber nicht…“ ist stets auf Neue herausfordernd. Man macht sich ja damit erst einmal nicht beliebt. Das geht ja auch schon einmal hin bis zu der Vorstellung, mit der immer wieder Menschen zu uns kommen, dass sie hier in ein Feld kommen, (bzw. dass gerade das ja „die neue Welt“ sei, die wir alle anstreben), in dem sie auch wirtschaftlich von der Gemeinschaft getragen werden. Besonders gerne treten diese übrigens als Berater auf, als Impulsgeber, u.ä.. Ein, zwei Stunden in der Woche Impulse geben ist ja eine feine Sache. Wäre aber gut, sie könnten daneben auch gut mit einer Schaufel, einem Putzlappen oder einem Kochlöffel umgehen oder mit einer Excel-Tabelle. Und das jeweils klarzumachen, ist oft gar nicht so einfach, denn viele Menschen entwickeln unglaublich ausgeklügelte Strategien, um sich selbst und den Anderen vorzumachen, dass sie extrem viel und effektiv (be-)wirken.

Wir sind hier offen für Menschen, die mit uns dieses Projekt verantwortlich tragen wollen, sich einbringen möchten mit Ihren „Down-to-Earth“-Fähigkeiten, auch sehen und würdigen können, was bereits da ist.

Auch das übliche „Austausch von Geld gegen einen Top-Beitrag zum Projekt“ ist möglich und willkommen.

Aber wir wollen die Kurve kriegen weg von der alten unternehmerischen Vater-Kind Situation, hin zu gemeinschaftlich getragener Verantwortung. Dazu braucht es eine Gruppe von Verantwortungsfähigen und Verantwortungsbereiten, die sich mit den oben dargestellten Fragen konfrontieren - zunächst mit mir selbst - und dann mit den anderen in der Gruppe.

Eben die Vision gemeinsam auf den Boden bringen!